Menschlichkeit am Arbeitsplatz Menschenfreundliche Arbeitsplätze in der Industrie gestalten Der Industriesektor boomt weltweit, was in erster Linie auf die Expansion des Online-Handels und auf aktuelle Nearshoring-Initiativen zurückzuführen ist, bei denen Unternehmen die Produktion näher an den Markt verlagern, um die Auswirkungen von Unterbrechungen der Lieferkette einzudämmen. Infolgedessen ist der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte hart, da Tausende neuer Produktions-, Vertriebs- und Lagereinrichtungen entstehen. Angesichts einer Fluktuationsrate von bis zu 60 % geraten Unternehmen in Bedrängnis. Bei der Gestaltung von Industrieräumen stehen Effizienz, Sicherheit und Rentabilität im Vordergrund Sie sind leistungsstark, aber oft uninspirierend, dunkel, laut und für die Angestellten nicht ansprechend genug, um dort eine Pause zu machen, sich mit dem Chef oder Kollegen zu treffen, ein privates Telefonat zu führen oder einen Moment der Ruhe zu finden. Dabei zeigt eine aktuelle Gallup-Umfrage, dass Beschäftigte, die das Gefühl haben, dass sich ihr Unternehmen um ihr Wohlbefinden kümmert, seltener einen neuen Arbeitgeber suchen. Führungskräfte haben die Chance, ihre Produktions- oder Lagerräume zu optimieren, um dazu beizutragen, den Mitarbeitenden zu zeigen, dass deren Wohlbefinden dem Unternehmen am Herzen liegt.

Unternehmen packen an
Für die Angestellten ist der Unterschied zwischen den alten und neuen Räumen des Bosch-Werks in Juarez, Mexiko, die die Mitarbeitenden besser unterstützen sollen, ganz deutlich. „Wir wuchsen und uns war klar, dass wir unser Werk umgestalten mussten“, erklärt Stephan Fischer, Bosch Vice President of Manufacturing.

„Die Arbeitsumgebungen waren optimierungsfähig - die räumliche Trennung von Produktions- und Büroangestellten, insbesondere auch bei den Führungskräften, war weder für die Beschäftigten noch für das Unternehmen gut. Wir wollten allen Beschäftigten Zugang zu verschiedenen Räumen geben, sowohl um zu arbeiten als auch zum Wohlbefinden beizutragen.“

Zu den Anpassungen zählen der Einbau großer Fenster für mehr Transparenz zwischen den Menschen im Büro und in der Fertigung und um Vertrauen und Kultur zu stärken. Um eine inspirierende und integrative Arbeitsumgebung zu schaffen, gestaltete Bosch den Außenbereich neu und fügte kleine Meetingräume, geschlossene Kabinen und einen ausgewiesenen Computerbereich hinzu. Im gesamten Gebäude sind Originalkunstwerke ausgestellt, die die Werte des Unternehmens darstellen.

Besseres Arbeitsambiente schaffen
Ähnliche Veränderungen werden bei PepsiCo umgesetzt. „Wir konzentrieren uns jetzt verstärkt auf die Mitarbeiter ‚an vorderster Front‘. Wir gestalten unsere Lieferkettenstandorte in Übereinstimmung mit unseren Bürostandorten", erklärt Kristina Alfonso, PepsiCo Global Workplace Strategy & Design Lead. „Wir wollen sicherstellen, dass wir Räume gestalten, an denen die Menschen gerne arbeiten. Es ist wichtig, ansprechende Arbeitsbereiche, Pausenräume, Schließfächer, Umkleideräume, Mütterzimmer und Badezimmer zur Verfügung zu stellen. Diese Räume sind unseren Angestellten wichtig.“

Steelcase überarbeitet auch die Betriebsräume. „Eine der größten Anpassungen, die wir vorgenommen haben, ist die Zusammenführung unserer funktionsübergreifenden Teams mit denen in der Fertigung unserer Werke, damit sie besser zusammenarbeiten können“, erläutert Robert Hendriksen, Director, U.S. Gemeinsam arbeiten, „Wenn die Mitarbeitenden aus den Bereichen Qualitätssicherung und Technik nun dichter am Ort des Geschehens sind, können sie die Maschinenbediener besser unterstützen. Wir sind auch transparenter geworden und tauschen uns über wichtige Leistungsmerkmale aus. Es wirkt mehr wie eine Partnerschaft — jeder fühlt sich wertgeschätzt, und das schafft Vertrauen."

Steelcase hat festgestellt, dass Gaming-Räume, die von den Angestellten in ihren Pausen sowie vor und nach der Arbeit genutzt werden können, dazu beitragen können, den Zusammenhalt zwischen Personen mit ähnlichen Interessen zu fördern, eine stärkere Kultur zu schaffen und die Entspannung der Angestellten zu fördern. Das Unternehmen bietet auch Massagen, medizinische Betreuung vor Ort und weitere Ressourcen. die das Wohlbefinden fördern. Im Steelcase-Werk in Reynosa, Mexiko, wurden Sun Rooms mit natürlichem Licht, geschlossene Kabinen, Pausenräume und kleine Besprechungsräume eingerichtet. Das Werk in Pune, Indien, hat vor kurzem eine Kindertagesstätte eröffnet und Mütterzimmer eingerichtet, um berufstätige Eltern zu unterstützen.
Um die Auswirkungen von Unterbrechungen der Lieferkette zu minimieren, verlagern viele Unternehmen ihre Produktionsstätten in Länder nahe ihrer Kunden.

Die ABB-Umfrage 2022 unter führenden Vertretern der Wirtschaft in den USA und Europa ergab, dass 74 % der europäischen und 70 % der US-amerikanischen Unternehmen planen, ihre Standorte näher an ihre Märkte zu verlegen, um ihre Lieferketten belastbarer zu machen.

Dies hat zur Folge, dass sich in Ländern mit relativ niedrigen Arbeitskosten, bewährten Strukturen für qualifizierte Arbeitskräfte, einer guten Verkehrsinfrastruktur und größerer geografischer Nähe zu diesen Märkten, wie z. B. Mexiko, Türkei, Marokko und viele europäische Länder, zahlreiche Unternehmen niederlassen.
Das Nearshoring Phänomen
Räume für Ich + Wir Unternehmen können eine einladende und menschlichere Atmosphäre schaffen, wenn sie gewerbliche Räume mit ähnlichen Annehmlichkeiten wie Büroräume ausstatten. Die Steelcase-Designer schlagen vor, folgende Räume zu gestalten, damit sich die Menschen besser fühlen und besser arbeiten können: Multifunktionale Gemeinschaftsräume mit ansprechender Ästhetik und langlebigen Materialien, in denen Menschen sich treffen, eine Mahlzeit zu sich nehmen, eine Pause einlegen und sich erholen, die aber auch für Meetings, Schulungen und Spiele für große Gruppen geeignet sind. Technische Lösungen und analoge Hilfsmittel können dazu genutzt werden, die Mitarbeitenden über geschäftliche oder gesellschaftliche Ereignisse zu informieren. Räume zur Zusammenarbeit werden genutzt für tägliche Stand-Ups und Status-Updates und kurze Meetings zur Erarbeitung von Lösungsansätzen. Sie verfügen über die Technologie, die benötigt wird, um externe Teamkolleg*innen zuzuschalten. Die Verwendung analoger Hilfsmittel, wie z. B. Whiteboards, macht die Arbeit für alle sichtbar und verständlich. Pausenräume in der Nähe der Arbeitsbereiche stehen zur Verfügung für kürzere Pausen und als sicherer Ort, an dem man seine Sachen aufbewahren, einen Snack zu sich nehmen, sein Handy aufladen oder sich mit Kollegen austauschen kann. Design-Tipps für mehr Wohlbefinden für gewerbliche Angestellte Möbel

Langlebige Produkte wählen (z. B. Metallfüße statt Holzfüße, Möbel mit offenen Sockeln, um Abdrücke zu vermeiden)

Gewährleisten, dass die Mitarbeitenden in Pausen- und Gemeinschaftsräumen ihre Telefone aufladen können

Im gesamten Gebäude Telefonkabinen nahe der Arbeitsbereiche aufstellen

Schließfächer nahe der Arbeitsbereiche und nicht nur an einem zentralen Ort einrichten

Stapelbare Sitzmöglichkeiten bieten für mehr Flexibilität


Beleuchtung

Wo möglich, Zugang zu natürlichem Licht durch Oberlichter und Fenster schaffen, und Pausenbereiche in der Nähe von Fenstern einrichten

In Pausenbereichen nicht die in Lagerhallen üblichen Leuchtstoffröhren verwenden, sondern wärmeres Umgebungslicht, um die Augen zu schonen.


Farbe, Biophilie + Materialien


Beleben Sie Industrieräume mit farbigen Möbeln und Wänden sowie mit biophilen Elementen (Pflanzen, Holzlaminat), um eine einladende und entspannende Atmosphäre zu schaffen, vor allem in Pausen- und Gemeinschaftsbereichen.

In Räumen, die möglicherweise schmutzig oder staubig werden könnten, eignen sich dunklere Farben.

Pflegeleichte Materialien und Oberflächen für Möbel und rutschfeste Bodenbeläge wählen
Outdoorbereiche mit ausreichend Schatten und Möbeln, wo Mitarbeitende essen, entspannen oder einfach nur frische Luft schnappen und sich erholen können. Dies ist besonders wichtig für Menschen, die in Gebäuden mit wenig natürlichem Lichteinfall arbeiten. Spazierwege und Bereiche für sportliche Aktivitäten wie Volleyball oder Basketball sind ausgezeichnete Möglichkeiten, um Bewegung und Sport zu fördern. Am besten ist es, wenn die Außenbereiche in der Nähe der Cafeteria oder eines Raums liegen, der häufig besucht wird. Private Räume und Fokusbereiche (geschlossene oder offene Bereiche mit Abschirmung) wurden strategisch platziert, damit die Menschen mit Führungskräften in Kontakt treten, ein privates Gespräch führen, E-Mails abrufen, einen Online-Schulungskurs besuchen oder ein persönliches Telefonat führen können. Wellness-Hubs, die eine Vielzahl kleinerer, auf natürliche Weise beruhigender Räume bieten, lassen sich für unterschiedliche Zwecke nutzen: für ein kurzes Nickerchen, zum Beten oder um allein zu sein, für eine Massage oder um stillenden Müttern einen sauberen, privaten Platz zum Abpumpen zu bieten. Da immer mehr Arbeitgeber die Notwendigkeit erkennen, das Wohlbefinden der Menschen in einem industriellen Umfeld besser zu unterstützen, wird häufiger ein so vielfältiges Raumangebot geschaffen, das sowohl für die Menschen, die dort arbeiten, als auch für das Unternehmen große Vorteile mit sich bringt. Wir haben unsere Angestellten mit diesen neuen Räumen wirklich überrascht“, sagt Fischer. „Sie betrachten sie als Belohnung für ihre harte Arbeit. Das hinterlässt einen guten ersten Eindruck bei neuen Mitarbeitern und hat uns auch zu mehr wirtschaftlichem Erfolg verholfen.“ Sie möchten jetzt
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